Inge Klemm

Eine besondere Beziehung. Ein riesengroßes Dankeschön.

Ich möchte euch Inge Klemm vorstellen. Sie arbeitet seit 14 Jahren an meiner Seite und nimmt jetzt langsam Abschied von der Strickmaschine. Es ist eine ganz besondere Beziehung zwischen Inge, die seit über 30 Jahren strickt und mir, der Designerin. In meinem Kopf entstehen Formen und Farben, oft auch Oberflächen und Strukturen. Ich zeichne, suche und dann besuche ich Inge vor Berlin in ihrem ganz besonderen, eigenen Reich. Ein besonderer Ort. Hier wurde sie vor mehr als sieben Jahrzehnten geboren

Bevor ich Dir die acht Fragen stelle: Mich lässt das Bild mit den braunen Cordanzügen, die Du mir erzählt hast, nicht mehr los. Ich erlebe täglich, wie die Kunden auf Farbe, Materialien und ein individuelles Angebot reagieren. Sie strahlen, wenn man das so sagen kann. Es scheint ein essentielles Bedürfnis zu sein. Wie war das mit den braunen Anzügen?

Als mein Sohn eingeschult wurde, wollte ich ihm einen schicken Anzug kaufen. Und es gab nur, wirklich nur, braune Cordanzüge in allen Größen. Wir haben immer nach dem Westen geschielt. Nena war mal in einem roten Minirock zu sehen, dann haben wir uns alle ins Zeug gelegt. Wir hatten viel Spass beim Handarbeiten, Tauschen, Suchen und Finden…. Als dann die Mauer fiel, bin ich in den Westen am Ku Damm „spionieren“ gefahren. Ich habe mich in den Geschäften umgeschaut und dann dachte ich, dass ich das auch kann. Ich hatte keine Angst. Damals habe ich noch mit meinem Mann gestrickt.

Jetzt zu den acht Fragen:

Wenn man Dich um 9 Uhr morgens suchen würde, wo würde man Dich finden?

Je nach Auftragslage an der Strickmaschine oder Nähmaschine. Bei gutem Wetter vergesse ich manchmal die Arbeit und schaue im Garten, wie alles wächst.

Was ist Deine Lieblingsfarbe?

Blau und Rosa. Aber seitdem ich mit Lilli für lillimendelssohn arbeite, hat sie mich mit ihrer Begeisterung für Farben angesteckt.

Was inspiriert Dich?

Ich bin durch und durch Handwerkerin. Wenn der Designer zu mir kommt und wir über die Ideen und Entwürfe sprechen, dann fängt mein innerer Motor sich an zu drehen. Ich brauche jemanden mit Ideen und dann entstehen die Modelle.

Wie bist du das geworden, was du bist?

Ich bin in Kaulsdorf, in der Berliner Vorstadt, geboren. Hier, wo heute meine Strickmaschine steht. Ich bin ausgebildete Chemiefacharbeiterin und später Industriekauffrau. Gleich nach der Ausbildung bekam ich mein erstes Kind und blieb zuhause. Meine Mutter brachte mir schon früh stricken und häkeln bei. Es fiel mir leicht und machte mir Spaß. Zwei Freundinnen hatten Strickmaschinen. Das fand ich toll. Ich kaufte mir auch eine und strickte für Familie und Freunde. Dann wollte ich damit Geld verdienen. Wir hatten viel Spass an Mode und alle um mich rum, haben mich bestärkt. In einem Strickgeschäft in Friedrichshain lernte ich stricken nach Maß. Bald verkaufte ich wirklich gut auf dem Hellersdorfer Erntefest. 1989, nach der Wende, machte ich mich selbständig. Dann rief mich Lilli Mendelssohn an.

Welche Beziehung hat deine Herkunft zu dem, was du bist?

Mmmmh. Bestimmt hat mich das Aufwachsen in der DDR geprägt…, aber ich grübel nicht gerne. Ich packe lieber an.

Was ist Dir sonst wichtig?

Meine fünf Enkelkinder liegen mir sehr am Herzen. Wir wohnen alle nah beieinander. Ich bin sehr verbunden mit meiner Familie.

Welchen Wunsch kann ich Dir heute erfüllen?

Jetzt? Gute Freundschaft und Zusammenarbeit mit Lilli.

Wenn man Dich Abends um 21 Uhr suchen würde, wo würde man Dich finden?

Ich schaue fern, löse Rätsel und Sodoku oder nähe noch etwas. Ach ja und ich kuschele mit meinem Kater.