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Den Farben auf der Spur

Den Farben auf der Spur

Zwischen Blau und Übermut

Ich bin in Farbe aufgewachsen.

Meine Mutter ist Künstlerin durch und durch. Ungeheuer kreativ, ausdrucksstark und farbenfroh. Von ihr kam die expressive Kraft, das Überschäumende, die Lust am Ausdruck.

Mein Vater hingegen war den feinen Tönen zugetan, der Stille und der Zurückhaltung.

So habe ich erlebt, dass Farbe laut sein kann, aber auch leise. Dass sie viel Raum einnehmen und wenig Platz für anderes lassen kann. Oder ganz zurückhaltend sein und uns dennoch berühren.

Solange ich mich erinnern kann, interessieren mich die feinen Nuancen, die Zwischentöne und das, was zwischen den Farben geschieht.

Als Kind trug ich am liebsten Blau. Es gab mir Sicherheit, ließ mich weniger auffallen und gab mir das Gefühl, einen Raum für mich selbst zu haben.

Farbe kann eben auch Schutz sein. Und Abgrenzung.

Und doch war Farbe immer gegenwärtig. Beim Zeichnen, Malen und Gestalten, in Gedanken und sogar in Träumen.


Bis heute üben Farben eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Nicht nur beim Entwerfen, sondern auch beim Zubereiten von Essen, beim Einrichten meiner Wohnung oder bei der Bepflanzung meines Gartens. Eigentlich überall.

Besonders faszinierend ist für mich das Verhältnis der Farben zueinander. Kalt und warm, hell und dunkel. Wie sie sich gegenseitig verändern, wie sie einen Raum und mit ihm auch unser Empfinden verwandeln.

Zwischen zwei Farben kann eine ganz eigene Energie entstehen.

Dabei spielen die Proportionen eine entscheidende Rolle. Viel Grün und ein Hauch Rosé haben eine vollkommen andere Wirkung als viel Rosé und nur ein wenig Grün. Dieselben Farben, und doch entsteht etwas ganz anderes.


Die Freude am Gestalten begleitete mich von Kindheit an. Zeichnen, Malen, Nähen, Stricken und unterschiedlichste handwerkliche Techniken gehörten dazu. Meine Kleidung habe ich schon früh selbst genäht. Später folgten das Abitur in Kunst, die Beschäftigung mit Kunst und das Designstudium.

In meiner Zeit beim Kostümbild habe ich für eine indische Oper unzählige Saris bemalt. Die Freude an der Malerei, an der Farbenpracht und am Zusammenstellen von Formen und Farben war für mich ein großes Glück. Es ging mir leicht von der Hand.

Auch heute entstehen viele meiner Entwürfe aus der Farbe heraus. Weniger die extravagante Form als das Zusammenspiel der Farben steht im Mittelpunkt. Klare, einfache Formen geben der Farbe Raum.

Vielleicht liegt darin auch meine Vorliebe für kräftige Farben, die nicht laut sein müssen. Für ungewöhnliche Verbindungen, für feine Verschiebungen und überraschende Zwischentöne.

Es ist ein Spiel, das mich immer wieder aufs Neue fasziniert. Und bei dem es noch unendlich viel zu entdecken gibt.

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